„Seien Sie doch nicht so emotional!“
Wie der Titel eines Workshops zum Motto unserer Vollversammlung wurde
Zweimal im Jahr lädt der Bayerische Landesfrauenrat (BayLFR) seine Delegierten zur Vollversammlung ein. Die diesjährige erste Sitzung fand am 10. Juni in Münchens Traditionsgaststätte Marias Platzl statt. Es waren fast alle Delegierten aus ganz Bayern angereist.
Das Präsidium des BayLFR v.l.n.r: Katharina Geiger, Monika Meier-Pojda, Sandra Schäfer, Ulla Thiem
In ihrem Bericht ließ die BayLFR-Präsidentin Monika Meier-Pojda das vergangene Halbjahr Revue passieren und kam schließlich auf die Reformpläne der Bundesregierung zu sprechen. Dabei wurde sie zum ersten Mal emotional. Scharf kritisierte sie die aktuellen Pläne der Bundesregierung, träfen doch die Kürzungen der zentralen sozialen Sicherungssysteme vor allem die Frauen. Meier-Pojda: „Frauen arbeiten wesentlich häufiger in Teilzeit, in Minijobs oder im Niedriglohnsektor. Zudem leisten sie den weitaus größeren Teil der unbezahlten Care-Arbeit, betreuen Kinder, pflegen Angehörige und tragen als Alleinerziehende die Hauptverantwortung für den Alltag. Genau deshalb sind Frauen in besonderem Maße auf verlässliche Sozial- und Familienleistungen angewiesen. Kürzungen in diesem Bereich greifen daher direkt in ihre Lebensrealität ein.“
Besonders dramatisch: Zurzeit diskutiert man wieder über Kürzungen der Unterhaltsvorschussleistungen. Denn vor allem alleinerziehende Mütter seien auf den Unterhaltsvorschuss angewiesen. Fiele er – wie geplant – für die über 12-Jährigen wieder weg, würde es viele Frauen und ihre Kinder in existenzielle Nöte bringen.
Ebenso empörend fand Meier-Pojda die aktuellen Pläne der Regierung zur Pflegeversicherung. Die Rentenversicherungsbeiträge der Pflegenden – dreiviertel davon sind Frauen – auf 70 Prozent zu kürzen, sei ein Skandal. „Frauen sollten nicht den akuten Pflegenotstand durch familiären Einsatz auffangen und gleichzeitig die Schwächung ihrer Alterssicherung hinnehmen müssen.“
Auch die Forderung nach einem Aus für die Witwenrente sieht Meier-Pojda kritisch. Denn durch das sogenannte Rentensplitting würden zwar die Rentenansprüche beider Partner zu gleichen Teilen aufgeteilt, aber der gesetzliche Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente entfalle. Meier-Pojda: „Experten haben errechnet, dass die Frauen, die ihren Ehepartner durch Tod verlieren, nicht durch das Rentensplitting gewinnen. Im Gegenteil, sie verlieren auch noch Geld und ihr Auskommen.“ Meier-Pojdas Fazit: „Wer bei Frauen spart, spart an der Zukunft!“
Prof. Elke Wolf, LaKoF
Ein weiterer Höhepunkt war die Aufnahme eines neuen Verbandes. Mit der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen (LaKoF), den ihre Sprecherin, Prof. Elke Wolf vorstellte, umfasst der BayLFR nunmehr 59 Frauenverbände und repräsentiert mit den 2.000 Frauen der Wissenschaft und 200.000 Studierenden zudem knapp 4,25 Millionen Frauen in Bayern.
Inge Bell in Aktion
v.l.n.r. Monika Meier-Pojda und Inge Bell
Für das emotionale Highlight sorgte schließlich die Unternehmensberaterin und Frauenrechtlerin Inge Bell. Mit ihrem interaktiven Workshop „Seien Sie doch mal nicht so emotional“ zeigte sie auf, welchen Führungs- und Kommunikationswelten Frauen auch noch heute in ihrem Berufsalltag begegnen. Oft seien sie mit „Manterrupting“ und „Hepeating“ konfrontiert. In der Praxis: Eine Frau trägt ihre Ideen vor, wird von einem Mann unterbrochen, dieser greift wenig später ihre Ideen wieder auf und wird dafür gefeiert. Auch „Mansplaining“ ist ein häufiges Phänomen. Hier wird einer Expertin ihr eigenes Fachgebiet erklärt!
Aber wie nun damit umgehen? Verbal zurückschlagen und den „besserwissenden“ Mann mit seinen eigenen Mitteln schlagen? Das sei der verkehrte Weg, sagte Bell und schlägt eine souveräne Methode in drei Schritten vor: „Das Dominanzverhalten sichtbar machen und das zugrunde liegende Muster unterbrechen.":
Tempo rausnehmen.
Den Namen des Gegenübers nennen, eine Bemerkung wiederholen, bewusst entschleunigen.
Staunen.
„Mensch!“, „Wow!“, „Echt jetzt?“ – Staunen signalisiert: Hier ist gerade etwas Bemerkenswertes passiert.
Eine verstörende Frage stellen.
„Wollten Sie das wirklich laut sagen?“ oder „Was soll ich als Frau des 21. Jahrhunderts jetzt dazu sagen?
Damit gerät das gewohnte Drehbuch ins Stolpern. Dominanzverhalten wird weder hingenommen noch aggressiv beantwortet. Das Muster wird unterbrochen, die Situation verändert sich. Die wichtigste Erkenntnis des Workshops: Souveränität ist keine Frage der Schlagfertigkeit. Sie entsteht aus Präsenz, Klarheit und Standing. Und sie lässt sich trainieren.“ Wie, das führte Bell schließlich mit ihrem Ehemann auf der Bühne vor, als die beiden in einen klassischen Dialog zwischen einem Kollegen und einer Kollegin demonstrierten, wie der „besserwissende Kollege“ verbal eingefangen werden kann. Die Teilnehmerinnen waren restlos begeistert und wurden noch einmal richtig emotional!
Die BayLFR-Präsidentin Monika Meier-Pojda, die solche Situationen aus ihrem beruflichen Alltag natürlich kennt und bislang immer – wie sie sagte – zu spät reagiert habe, bedankte sich herzlich bei der Referentin und schloss die Vollversammlung mit den den Worten: „Sichtbarkeit, Austausch und Vernetzung sind gerade für uns Frauen entscheidend. Dafür kämpfen wir, manchmal auch ganz emotional!“