Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz aus einer feministischen Perspektive

Die Expertinnen Eva Gengler und Barbara Streidl haben sich im Auftrag des Bayerischen Landesfrauenrats mit dem Thema „Chancen und Perspektiven der KI aus feministischer Perspektive“ ausführlich beschäftigt und ihre Gedanken und Erkenntnisse verschriftlicht.

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Eva Gengler (links) und Barbara Streidl (rechts)

Matthias Jacoby und Denise Stock

Zu den Autorinnen:

Eva Gengler ist Wirtschaftsinformatikerin und forscht intersektional-feministisch an der Schnittstelle von Macht und Künstlicher Intelligenz. An der FAU Erlangen-Nürnberg promovierte sie im Programm Business and Human Rights zu feministischer KI unter dem Titel „From Oppression to Empowerment: Regulating, Governing, and Reimaging Artificial Intelligence“. Als Speakerin und Co-Founderin der feminist AI Community sowie von enableYou engagiert sie sich für eine gerechte und verantwortliche Technologiegestaltung. Kürzlich hat Sie das Buch „Feministische KI: Warum Künstliche Intelligenz Ungerechtigkeit verstärkt und was wir dagegen tun müssen“ veröffentlicht, welches diese Problematik ausführlich beschreibt.

Gemeinsam mit der Journalistin Barbara Streidl wurde dieser Beitrag verfasst. Streidl unterstützt den BayLFR neben ihrer publizistischen Arbeit als Autorin und Moderatorin seit Jahren als Fachfrau für frauenpolitische Themen und feministische Debatten bei Publikumsveranstaltungen, und Onlinemeetings. Sie ist Host der BayLFR Podcast-Reihe „Politische Role Models“.
 

Einordnung:

Künstliche Intelligenz (KI) verändert alles: Wie wir arbeiten, lernen, kommunizieren, entscheiden, versorgen, pflegen und Politik gestalten. Diese Veränderungen betreffen Frauen als Nutzerinnen, als Arbeitnehmerinnen, Patientinnen, Medienrezipientinnen, Eltern und pflegende Angehörige – und sie betreffen sie anders als Männer.

KI kann Ungerechtigkeiten verstärken, wenn sie auf verzerrten Daten und tradierten Normen aufbaut – etwa in der Gesundheitsdiagnostik, bei der Verteilung von sozialen Leistungen, der Sichtbarkeit in den Medien oder automatisierten Entscheidungen in Arbeitsmarkt und Finanzen. Gleichzeitig kann sie Teilhabe, soziale Absicherung, kreative Selbstermächtigung, Care-Entlastung und politische Mitgestaltung fördern, wenn sie bewusst, gerecht und erklärbar gestaltet wird.

Die folgende Grafik ist aufbauend auf Eva Genglers Forschung, (zusammen mit Co-Autorinnen), erste Ergebnisse publiziert in „Power Imbalances in Society and AI: On the Need to Expand the Feminist Approach“, anschließend fortlaufend auf Basis von Forschungserkenntnissen weiterentwickelt (weitere Veröffentlichungen befinden sich im Begutachtungsprozess).

260427 Zusammenhang zwischen Macht und KI

Zusammenhang zwischen Macht und KI

Die Rahmen und Standards, die wir heute setzen, bestimmen ebenso wie die Infrastrukturen, die wir heute bauen, das, was KI morgen sein kann und wird: Ein Katalysator für soziale Ungerechtigkeit und Unterdrückung oder ein Hebel für mehr Gerechtigkeit. Die Frage ist nicht, ob KI kommt – sie ist längst da –, sondern, wer sie wie prägt. Eine Auseinandersetzung mit KI ist deshalb unbedingt notwendig.

Um KI zu gestalten, helfen fünf Ebenen:

  • Kontext (Werte, Standards, Regulierung)
  • Menschen (Macht in Entscheidungen, Entwicklung und Anwendung)
  • Daten (Repräsentativität, Qualität, Transparenz)
  • Design (Governance, Prioritäten, Prozesse)
  • Zweck (Ziele der KI – Reproduktion oder Veränderung)

Um (mit-)gestalten zu können, benötigen wir Verständnis und Kompetenz. KI-Kompetenz bedeutet: Muster erkennen, Daten hinterfragen, Risiken benennen, Machtverhältnisse bemerken, eigene Ansprüche formulieren und sich einmischen. Diese Kompetenz muss auf allen Ebenen aufgebaut werden – bei Nutzerinnen, in Bildungssystemen, in Behörden, in Unternehmen, in Politik und im Ehrenamt.

Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Bildern – die heute leicht mit KI generiert werden können und aufmerksam betrachtet werden sollten: Wen setzt eine Bild-erzeugende KI bei welchem Thema an einen Tisch?

260427 KI-Fachausschuss generiert

KI-Fachausschuss (ChatGPT-5)

Bild generiert im Oktober 2025 mit ChatGPT-5 mit dem Prompt „Erstelle ein Bild eines Fachausschusses zu Künstlicher Intelligenz.“

Eva Gengler und Barbara Streidl KI

KI-generierte Version der Autorinnen (links).

Eva Gengler und Barbara Streidl (von links nach rechts), wie die Autorinnen tatsächlich aussehen (rechts).

Fazit:

Nicht-Handeln führt zur Benachteiligung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen durch KI. Um KI als Werkzeug für Gerechtigkeit zu nutzen, müssen wir als Gesamtgesellschaft aktiv werden: mit politischen Maßnahmen, die digitale Teilhabe fördern, durch Stärkung der KI-Kompetenz und gendersensible Daten als Grundlage sowie durch feministische Werte in der KI-Entwicklung und im KI-Einsatz.

Für eine gleichberechtigte Gesellschaft brauchen wir KI-Systeme, die Unterrepräsentation sichtbar machen, Diagnostik, Versorgung, Care-Arbeit und Familienleistungen fair verteilen, Gewalt und Diskriminierung aufdecken und adressieren und Frauen als eigenständige Gruppe betrachten.

KI wird unsere Gesellschaft weiter verändern – ob sie dabei bestehende Muster verstärkt oder gezielt verändert, liegt in der Hand von Menschen – insbesondere von denen mit Entscheidungsmacht.

zur Meldung: Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz aus einer feministischen Perspektive