„Bavaria“ rief – und über 200 Frauen kamen …
Politikerinnen und solche, die es werden wollen, folgten „Bavaria ruft“ am 31. Januar zum Gruppenfoto auf der Theresienwiese - zu Füßen der Bavaria.
Getrommelt hatte „Bavaria ruft“ und gekommen waren alle: Die Initiatorinnen, die Politikerinnen, die Kandidatinnen, die vielen Mitstreiterinnen und natürlich „Mama Bavaria“ Luise Kinseher. Sie alle wollten ein Zeichen setzen für die nächste Kommunalwahl am 8. März 2026, nämlich „Wir brauchen mehr Frauen in den Räten.“
Inspiriert von der Schweizer Initiative „Helvetia ruft“ hatten die Bürgermeisterinnen Kathrin Alte (Gemeinde Anzing), Claudia Alfons (Stadt Lindau) und Katharina Schulze (Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag) vor anderthalb Jahren die parteiübergreifende Initiative „Bavaria ruft“ aus der Taufe gehoben. Schnell fanden sie Mitstreiterinnen aus Politik und Verbänden. Einer von ihnen ist der Bayerischen Landesfrauenrat (BayLFR), der sich seit über 50 Jahren für die Interessen der Frauen in Bayern einsetzt. BayLFR-Präsidentin Monika Meier-Pojda: „In der Kommunalpolitik, wo Demokratie ihre Basis hat und das Lebensumfeld der Menschen unmittelbar betroffen ist, müssen Frauen ihre Erfahrungen und Kompetenzen einbringen.“
Einig sind sich alle, in der Politik gibt es großen Nachholbedarf. In gerade mal 10 Prozent der bayerischen Rathäuser sitzt eine Frau im Chefsessel. Die Gründe: Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, kaum weibliche Vorbilder und dann noch der tägliche Kampf mit massiven Anfeindungen. Das hat auch Luise Kinseher als Mama Bavaria erfahren: „Wenn man sich als Frau mit einem politischen Ansinnen – egal für welches – in die Öffentlichkeit stellt, weht ein sehr kalter Wind. Es fühlt sich so an, als würde man als Frau dafür angegriffen werden, für was ‚frau‘ die Stimme erhebt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir Frauen uns zusammenschließen, uns stärken und gegenseitig Mut machen, egal aus welcher Partei wir kommen.“
Gemäß dem Motto „Demokratie braucht Frauen“ tourte „Bavaria ruft“ im letzten Jahr durch ganz Bayern. Gemeinsam zogen die Initiatorinnen durch 50 bayerische Städte und Gemeinden. Sie trafen Frauen in den Rathäusern, um ihnen Mut zu machen und sich bei der Kommunalwahl am 8. März aufstellen zu lassen. Kathrin Alte blickt mit Stolz zurück: „Fast ein ganzes Jahr ehrenamtlicher Arbeit bei ‚Bavaria ruft‘ zeigt, wie viele gute Ideen, Zuversicht und Zusammenhalt es bei den Frauen in der Kommunalpolitik gibt“.
Auf dem Get-Together im Gasthaus Marie-Therese, das von dem BayLFR organisiert wurde, war klar: Der Einsatz hat sich gelohnt, „Bavaria ruft“ ist sichtbar geworden! Auch die beiden Schirmherrinnen, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Sozialministerin Ulrike Scharf sind begeistert. Aigner: „Das Thema, dass wir mehr Frauen in der Politik brauchen, hat in ganz Bayern große Aufmerksamkeit bekommen, viele Frauen in Kontakt gebracht und motiviert, den Schritt in eine Kandidatur zu wagen.“ Scharf gibt noch einen wichtigen Tipp: „Wenn Sie gewählt sind, kümmern Sie sich um die Gremien, bei denen Sie wirklich was sagen wollen und was zu sagen haben. Lassen Sie sich nicht gleich mit den weichen Themen wie Familie, Senioren und Gesundheit abstempeln. Denn eines ist klar, wir können alles.“ Auch Schulze schließt sich dieser Einschätzung an: „Bavaria hat gerufen und viele Frauen sind gekommen, um deutlich zu machen: Politik braucht unsere Stimmen, unsere Perspektiven und unsere Entscheidungen.“
Meier-Pojda appelliert an die Frauensolidarität, die nicht vergleicht, sondern verbindet: „Gerade jetzt, wo vieles in der Gesellschaft auf Konkurrenz ausgelegt ist, müssen wir uns daran erinnern, wie kraftvoll echte Präsenz und Wertschätzung ist. Lasst uns bewusst ein Netz der gegenseitigen Unterstützung knüpfen – aufmerksam, mutig und solidarisch. Nicht aus Pflicht, sondern aus Anerkennung. Wir sind stärker, wenn wir zusammenstehen.“
Zum Schluss überreichte die Moderatorin der Veranstaltung, Constanze von Hassel, dann auch jeder Teilnehmerin symbolisch den Eichenkranz der Bavaria. „Sie trägt einen Eichenkranz auf dem Kopf und einen zweiten in der linken Hand. Warum? Ich gebe Euch ein Bild mit, das Euch hoffentlich begleitet: Dieser zweite Kranz ist für Euch gedacht. Für jede Einzelne, die heute hier ist. Fühlt euch gerufen, fühlt euch berufen und fühlt euch geehrt und geschmückt, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, sie mitzugestalten, weil wir alle brauchen euch.“
In diesem Sinne riefen die 200 Frauen auf der Theresienwiese Bayerns Frauen auf: „Geht wählen, wählt Frauen und macht aus dem Weltfrauentag den Frauenwahltag!“