Digital gerecht: Künstliche Intelligenz für moderne Familienpolitik nutzen

Stellungnahme des Bayerischen Landesfrauenrates (BayLFR)

Ausgangslage:

Familien stehen in Deutschland eine Vielzahl an Leistungen zu – von Elterngeld über Kinderzuschlag bis hin zu Bildungs- und Teilhabeleistungen. Doch die Realität ist: Viele dieser Angebote erreichen die Menschen nicht. Antragstellungen sind komplex, Informationen unübersichtlich und digitale Lösungen bislang unzureichend integriert. Besonders benachteiligt sind Familien mit geringem Einkommen, eingeschränkten Sprachkenntnissen oder fehlendem Zugang zu Beratung.

Diese strukturellen Hürden treffen Frauen in besonderem Maße: Neun von zehn Alleinerziehenden sind weiblich. Frauen tragen die Hauptverantwortung in der häuslichen Pflege, kümmern sich überproportional häufig um Betreuung und Organisation des Familienalltags – unbezahlt oder schlecht entlohnt. Die gesellschaftliche Grundannahme, dass „die Frauen“ sich um die Familie kümmern, ist bis heute wirkmächtig und spiegelt sich in der Gestaltung familienpolitischer Leistungen.

Während KI-Anwendungen in anderen Bereichen bereits zum Alltag gehören, werden ihr Potenzial und ihre Effizienz in der Familienpolitik bislang kaum genutzt. Dabei könnte gerade hier eine intelligente Digitalisierung für mehr Gerechtigkeit, Transparenz und Teilhabe sorgen.

Der BayLFR, der sich für die Interessen von Familien stark macht, fordert eine digitale Wende in der Familienpolitik – mit Künstlicher Intelligenz im Dienst der Bürgerinnen und Bürger.

Unsere Forderungen:

  • KI zur Vereinfachung von Zugang und Antragstellung einsetzen

Anträge auf familienpolitische Leistungen sind häufig bürokratisch, fehleranfällig und intransparent. KI kann dabei helfen, Formulare zu vereinfachen, individuelle Anspruchsvoraussetzungen automatisiert zu prüfen und Familien durch den Prozess zu begleiten – barrierearm, mehrsprachig und niedrigschwellig. Dabei soll KI ein unterstützendes Tool sein und menschliche Kompetenzen, Verantwortung sowie Ansprechpersonen nicht ersetzen. Wir fordern eine rasche Entwicklung und Implementierung solcher Tools auf Bundes- und Landesebene.

  • Von der Holschuld zur Bringschuld – proaktive Leistungserbringung ermöglichen

Leistungen, die gesetzlich zustehen, müssen die Bürgerinnen und Bürger nicht erst mühsam suchen und beantragen. KI kann Behörden dabei unterstützen, durch Datenabgleich und prädiktive Systeme anspruchsberechtigte Familien aktiv zu informieren und Leistungen automatisch bereitzustellen – datenschutzkonform und vertrauenswürdig. Wir fordern einen grundlegenden Perspektivwechsel: Weg von der Holschuld der Bevölkerung – hin zur Bringschuld des Staates.

  • Einrichtung eines staatlichen Infotools für Familienleistungen

Wir fordern die Entwicklung eines digitalen „Infotools für Familienleistungen“ durch das Bundesfamilienministerium bzw. die entsprechenden Landesministerien. Dieses Tool soll auf KI-gestützte Weise individuell passende Leistungen aufzeigen, verständlich erklären und bei der Antragsstellung unterstützen – einfach, aktuell und anonym nutzbar. Damit werden Familien gezielt unterstützt und der Zugang zu Leistungen systematisch verbessert.

Ausblick und Appell:

Wenn Deutschland bei der Familienpolitik zukunftsfähig sein will, muss es auch digital gerecht werden. Künstliche Intelligenz kann – richtig eingesetzt – ein Hebel für mehr Chancengleichheit und Teilhabe sein. Dafür braucht es politischen Willen, klare Zuständigkeiten und den Mut zur Innovation.

Gleichzeitig weisen wir auf ein zentrales Problem hin: Die zugrundeliegenden Datensätze, mit denen KI-Systeme heute trainiert werden, spiegeln häufig tradierte Rollenbilder wider. Musterbildungen zum Thema Familie beruhen vielfach auf genderbasierten Verzerrungen – ein Umstand, den wir ausdrücklich kritisieren.

Deshalb fordern wir beim Einsatz von KI in der Familienpolitik auch einen bewussten und diskriminierungssensiblen Umgang mit Daten. Parallel braucht es eine geschlechter- und generationenübergreifende Förderung der Medien- und Datenkompetenz – in Politik, Verwaltung und Gesellschaft.

Der BayLFR ist bereit, diesen Wandel konstruktiv zu begleiten – im Interesse aller Familien.

Hinweis: Das Forderungspapier wurde mithilfe von KI erstellt.

Wir danken den Mitgliedern des Fachausschusses Familienrecht- und Familienpolitik:
Christine Andersson, Inge Gehlert, Susanna Kaiser, Bärbel Padilla-Ottl, Alexandra Preuß, Sandra Schäfer, Barbara Streidl, Susanne Veit, Prof. Dr. Brigitte Waffenschmidt und Silvia Wallner-Moosreiner für ihre fachliche Expertise.

Wir sind ein Zusammenschluss von 58 Landes-Frauenverbänden und Frauengruppen gemischter Landesverbände, sind überparteilich, überkonfessionell und unabhängig und vertreten insgesamt knapp vier Millionen Frauen in Bayern. Seit unserer Gründung 1973 tragen wir zur Verwirklichung von Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bei.