Das BayLFR und FidAR-Sommerfest 2026 - ganz im Zeichen der Geschlechter- und Generationenvielfalt

Der frühe Abend des 29. Juli war wie gemacht für ein Sommerfest. Die Hitze des Tages war am Abklingen und ein laues Lüftchen wehte durch die Münchner Au. Der Bayerische Landesfrauenrat (BayLFR) und Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) hatten zum gemeinsamen Sommerfest in Marias Platzl am Maria-Hilf-Platz geladen und an die 120 Frauen waren gekommen. Die Bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf und die 3. Bürgermeisterin Münchens, Verena Dietl, konnten leider nicht dabei sein, sie sendeten Grußworte. Bayerns Sozialministerin und Frauenbeauftragte Ulrike Scharf fand klare Worte: „Noch immer müssen sich Frauen im Beruf doppelt beweisen. Noch immer wird die Luft spürbar dünner, je höher wir in die Führungsetagen blicken. Wer das wegredet, verschenkt leichtfertig die halbe Kraft unseres Landes! Und das ist keine Gefühlssache. Das ist Mathematik! Die Fakten liegen auf dem Tisch: Gemischte Führungsteams bringen Unternehmen mehr Erfolg. In Europa haben Unternehmen mit gemischten Führungsteams eine über 60 Prozent höhere Chance, überdurchschnittlich profitabel zu sein! Vielfalt bringt bessere Entscheidungen, Miteinander bringt bessere Zahlen – und genau das stärkt unseren Wirtschaftsstandort Bayern! Viele mussten den Weg dorthin bahnen. Genau diese Wegbereiterinnen sitzen heute Abend hier: Vier Generationen starker Frauen.“

Sommerempfang 2026

Auf diesen Fotos zu sehen v.l.n.r: Monika Meier-Pojda,Ulrike Scharf, Heike Leise

Nach den Inputs von Sabine Appelhagen, Präsidentin von FidiP (Frauen in die Parlamente) und Dr. Philipp Schulte, Geschäftsführer von G & D (Giesecke & Devrient) zum Thema Geschlechtervielfalt in Politik und Wirtschaft, begann das Panel zu dem Thema „Wie bilden Frauen Allianzen statt Konkurrenz? Geschlechter- und Generationenvielfalt als strategischer Hebel“. Im Panel saßen die Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm, Katrin Albsteiger, flankiert vom einzigen Mann auf der Bühne, Dr. Philipp Schulte, daneben Maria Horn-Hörtrich, stellvertretende Landesvorsitzende der JFW (Junge Freie Wähler) und Dr. Amelie Reigl, Gründerin und Geschäftsführerin des Start-Ups TigerShark Science. Horn-Hörtrich legte ihren Fokus zunächst auf die Generationenvielfalt und beklagte, dass die Politik für junge Menschen zwar immer wieder aufregende Events veranstalten würde, von diesen aber außer Strategiepapieren (die später in Schubladen landeten) und netten Insta-Posts wenig übrigblieb. Sie forderte: „Wenn junge Menschen sich dauerhaft engagieren sollen, dann müssen wir sie ernst nehmen und besser einbinden.“ Der Mann aus der Wirtschaft, Philipp Schulte, berichtete aus seinem Alltag. Dort würde er verstärkt und mit großem Erfolg auf „Stretch Assignment“ setzen. „Wenn ich ein junges Talent sehe, gebe ich diesem eine Chance. Denn meistens wachsen die Leute über sich hinaus und werden erfolgreich.“ Mit jungen Frauen habe er kürzlich auch tolle Erfahrungen gemacht. Bei einem Seminar an der TU München seien ihm besonders die Leadership Girls aufgefallen. Diese jungen qualifizierten Frauen hätten die Firmen genau unter die Lupe genommen und nach den Aspekten ausgesucht, wo ihre Belange und Aufstiegschancen berücksichtigt würden. Schulte: „Wenn wir die besten Köpfe haben wollen, müssen wir ein Arbeitgeber sein, wo junge Frauen sich auch bewerben wollen.“ Katrin Albsteiger kam zunächst auf ein Thema zu sprechen, das ihr ständig begegnet, nämlich die Frage: „Wie bekommen wir mehr Frauen in die Politik?“ und räumte ein, dass die Präsenz von Frauen vor allem in der Kommunalpolitik ständig stagniere. Aber für sie würde Frauenförderung schon im eigenen Zuhause beginnen und damit nahm sie ihren Sitznachbarn Schulte ins Visier und fragte ganz direkt: „Was macht eigentlich Ihre Frau?“ Der Vater von fünf Kindern, der zuvor ausgeführt hatte, wie sehr er sich Chancengleichheit vor allem für seine drei Töchter wünschen würde, berichtete, dass seine Frau zu Hause bliebe, sie aber die traditionelle Rollenaufteilung gemeinsam beschlossen hätten. Für ihn sei die Wahlfreiheit wichtig! Albsteiger beklagte, dass generell das Modell „Mann macht Karriere, Frau bleibt zu Hause“ leider immer noch die Regel sei. Anders bei ihr: „Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn mein Mann nicht einen Schritt zurückgetreten wäre und die Kinder versorgen würde.“ Daraufhin entspann sich eine lebhafte Diskussion, was verändert werden müsse: Die Strukturen oder die Einstellungen? Hier klinkte sich die Gründerin Amelie Reigl ein: „Im Studium sind wir in der Mehrzahl Frauen gewesen, bei der Masterarbeit waren wir schon nur noch 50:50, und als wir dann die Doktorarbeit angefangen haben, haben ganz viele Frauen gesagt, ‚Ich mach’s nicht, ich will ja später Familie gründen‘.“ Auch für Reigl stellte sich diese Frage, aber mit ihrem Start-Up TigerShark Science ging sie andere Wege. So seien in ihrer Firma nur Frauen beschäftigt, und sie hätten auch schon zwei Start-Up-Babys bekommen, berichtete sie stolz. Das wäre zwar eine Umstellung, aber machbar gewesen. „Es wäre natürlich viel einfacher, wenn die Rahmenbedingungen auch durch die Politik besser gesetzt würden.“ Albsteiger hielt dagegen: „Mich hat keine Rahmenbedingung aufgehalten. Es gibt ja Gott sei Dank auch Männer, die Frauen unterstützen, wie der meine zum Beispiel. Also, Augen auf bei der Partnerwahl.“ Aber sie habe auch in der Politik Förderer gehabt. Männer hätten sie immer wieder motiviert, wie etwa ihr Vorgänger im Oberbürgermeisteramt. Der hatte sie fünf Jahre vor seinem Ausscheiden gefragt, ob sie denn nicht seine Nachfolgerin werden und kandidieren wolle, obwohl sie da hochschwanger war. „Also für mich stellt sich die Frage, sind es wirklich die Strukturen oder versuchen wir uns das nur einzureden?“ Auch Horn-Hörtrich hat dazu eine dezidierte Meinung: „Ich glaube, der zentrale Begriff in diesem Zusammenhang ist MUT!“ und erläuterte das an ihrer eigenen Biografie. Durchaus selbstbewusst und extrovertiert, habe sie sich öfter dabei ertappt, lieber in der zweiten Reihe zu stehen. „Dann bin ich dabei, aber ich bin nicht komplett vorne und muss alles abfangen.“ Reigl schloss sich dieser Meinung an und erzählte, dass sie früher sehr schüchtern gewesen sei. Aber auch sie habe tatsächlich viel Unterstützung von Männern erfahren, die ihr immer wieder gesagt hätten: „Du kannst das, du schaffst das.“ Inzwischen ist Reigl erfolgreiche Unternehmerin und Sciencefluencerin. Mit 500.000 Followern ist sie auf Social Media ständig im Rampenlicht. „Da kommt auch HATE, und der kommt nicht, weil ich was Falsches gesagt habe, sondern weil ich als Frau den Mund aufgemacht habe und sichtbar bin.“ Sie sei sicher, dass viel mehr Frauen in der Öffentlichkeit wären, wenn es nicht so viel HATE gäbe.

Nach einer lebhaften, teils kontroversen Diskussion sendete das Panel zum Schluss einhellige Appelle an das Publikum. Albsteiger: „Ich würde sagen, weitermachen. Auch wenn sich das gerade nach einem Rückschritt anfühlt. Weitermachen und immer neugierig bleiben.“ Reigl schloss sich an: „Sprecht übereinander, kritisiert nicht den zu kurzen Rock oder den zu tiefen Ausschnitt! Redet positiv übereinander, lobt den tollen Vortrag oder den supertollen Pitch!“ Ähnlich Horn-Hörtrich: „Frauen unterstützt Frauen. Wir müssen junge Frauen nachziehen. Und zwar nicht erst, wenn wir aus dem Beruf aussteigen, sondern im Vorfeld eine junge Frau suchen und die erlernten Skills an sie weitergeben, so dass die Jungen nicht immer wieder von vorne anfangen müssen.“ Schulte schloss sich an, „Ja, Frauen zieht eine Frau mit!“ und dann erinnerte er noch einmal an das Stretch Assignment: „Eine Tür weit aufmachen, Support geben und dann auf das Beste vertrauen. Das wird gut!“

Sommerempfang 2026

Auf diesen Fotos zu sehen v.l.n.r: Maria Horn-Hörtrich, Dr. Amelie Reigl, Katrin Albsteiger, Dr. Philipp Schulte

Am Schluss der Veranstaltung ergriffen Silke Robeller (Vorständin bei FidAR) und Monika Meier-Pojda (BayLFR-Präsidentin) das Wort. Robeller: „Wir von FidAR machen zum Beispiel das Veranstaltungsformat NextGen, um speziell junge Frauen anzusprechen. Wir treffen dort auf viele junge Frauen, die nicht wissen, wie Karriere geht. Die uns fragen, wie gehe ich den nächsten Schritt? Mit diesem Format können wir den jungen Frauen die Unterstützung geben, die sie brauchen, um Karriere zu machen. NextGen richtet sich gezielt an den Karrierenachwuchs und fördert den generationenübergreifenden Austausch.“ Meier-Pojda: „Gleichstellung gelingt nicht gegeneinander, sondern nur miteinander. Sie entsteht nicht durch Schuldzuweisungen oder ein Gegeneinander von Frauen und Männern, sondern durch Zusammenarbeit. Männer und Frauen brauchen einander, um Veränderung möglich zu machen. Nutzen wir deshalb unsere Positionen, Netzwerke und Möglichkeiten, um gemeinsam eine Gesellschaft zu gestalten, in der Vielfalt nicht nur gefordert, sondern gelebt wird.“

Sommerempfang 2026

Auf diesen Fotos zu sehen v.l.n.r: Sabine Appelhagen, Katrin Albsteiger, Dr. Philipp Schulte, Maria Horn-Hörtrich, Dr. Amelie Reigl, Silke Robeller,

Monika Meier-Pojda, Sabine Appelhagen, Monika Meier-Pojda