Die Arbeit unserer Mitglieder in Zeiten von Corona: Den DHB - Netzwerk Hauhalt im Blick

Für alle Veröffentlichungen zu unserer Aktion gilt:
Die Beiträge werden von unseren Mitgliedern verfasst und inhaltlich verantwortet.

200902 DHB

"Corona" hat es allen gezeigt:

Private Haushalte sind systemrelevant!

"Als systemrelevant werden Unternehmen, kritische Infrastrukturen oder Berufe bezeichnet, die eine derart bedeutende volkswirtschaftliche oder infrastrukturelle Rolle in einem Staat spielen, dass ihre Insolvenz oder Systemrisiken nicht hingenommen werden können oder ihre Dienstleistung besonders geschützt werden muss."
(de.wikipedia.org/wiki/Systemrelevanz)

"Systemrelevanz" wurde erstmals 1914 als Kriterium verwendet, die Rettung von Wirtschaftsbetrieben und Banken der USA aus den krisenhaften Umwälzungsprozessen der Weltwirtschaft mit staatlichen Rettungsaktionen zu sichern. Die Parallelen zu heutigen politischen Maßnahmen liegen auf der Hand, wobei während der COVID-19-Pandemie insbesondere Berufsgruppen als "systemrelevant" bezeichnet wurden, "deren Tätigkeit für ein funktionierendes Gemeinwesen unerlässlich ist".

Interessanterweise ist die Führung privater Haushalte in der Liste der genannten Berufe nicht enthalten. Man könnte sagen: natürlich nicht – die Anerkennung der Haushaltsführung als Beruf ist ja ein inzwischen seit über 100 Jahren nicht eingelöstes Ziel des DHB – Netzwerk Haushalt. Haushaltsführende wie gesellschaftliche Öffentlichkeit haben diese Ziel weitgehend aus dem Blick verloren, seit in den 1960er Jahren die außerhäusliche Erwerbstätigkeit der Frauen, auch der Mütter, mit entsprechenden Berufsqualifikationen der Normalfall wurde – eine Entwicklung, die vom allen Seiten begrüßt wurde und heute als Selbstverständlichkeit gilt.

Dabei wurden die Leistungen der privaten Haushalte und ihr Beitrag zur Lebensqualität der Haushaltsmitglieder und zum Funktionieren der Gesellschaft durch die Sorge-Arbeit für Kinder sowie für kranke, alte und pflegebedürftige Menschen weder beachtet noch honoriert. Erst in den letzten Jahren gibt es halbherzige Anläufe, diesen blinden Fleck endlich in den Blick zu nehmen, die Einbeziehung von Erziehungszeiten oder Pflege-Auszeiten bei den Rentenansprüchen seien hier als Beispiel genannt.

Aber das sind Tropfen auf den heißen Stein – warum kommt nicht endlich das "Haushaltsführenden-Gehalt"?

Berechnungen legen überzeugend dar, dass zum Beispiel im Steuerrecht ein Wechsel vom Ehegatten-Splitting hin zum "Erwerbs- und Sorge-Modell" positive Effekte für die einzelnen Haushaltsführenden ebenso wie für die Volkswirtschaft hätte.

Zunächst könnte eine tiefgreifende Gerechtigkeitslücke geschlossen werden, indem die tatsächliche Arbeitsleistung in den privaten Haushalten entlohnt und damit sichtbar wird – immerhin in Haushalten mit Kindern pro Woche über 60 Stunden, die zusätzlich zur Erwerbsarbeit geleistet werden – zu zwei Dritteln von Frauen (Gleichstellungsbericht 2018).

Volkswirtschaftlich vorteilhaft wäre die Stabilisierung der wirtschaftlichen Basis von Haushalten mit einem Einkommensanteil, der von den Arbeitsmarktschwankungen unabhängig die Versorgung von abhängigen Familienmitgliedern sichert und damit auch die Nachfrage nach entsprechenden Gütern zur Bedarfsdeckung stabilisiert. Durch die Rentenbeiträge wäre das Problem der Altersarmut für den Großteil der Bevölkerung entschärft, da es keine "Lücken in der Erwerbsbiografie" mehr gäbe.

Damit würde fast zwangsläufig auch ein Wandel in der gesellschaftlichen Bewertung der Haushaltführung einhergehen, allein durch die größeren Entscheidungsspielräume bei der individuellen Zeitgestaltung und Arbeitsteilung zwischen den Haushaltsmitgliedern. Moderne Arbeitsformen wie die Nutzung von Home-Office und Telearbeit in vielen Bereichen könnten diese Prozesse noch unterstützen – zum individuellen Nutzen ebenso wie zu dem der Allgemeinheit.

Am meisten profitieren von solchen Modellen die Kinder. Sie erleben ein Zuhause mit sicherem wirtschaftlichem Fundament, mit Eltern, die sie durch mehr gemeinsam verbrachte und gestaltete Zeit in ihrer Entwicklung fördern. Gesteigerte Nachfrage der Haushalte könnte durch den Aufbau von flächendeckend verfügbaren Unterstützungsstrukturen – sei es durch hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Angebote zu Kinderbetreuung und vielfältigen Bildungs- und Unterhaltungsformen und der ganzen Bandbreite von Gesundheitsberufen – auch dem professionell und erwerbswirtschaftlich organisierten Bereich einen Innovationsschub geben.

Fazit: Investitionen in die Funktionsfähigkeit der ca. 43 Millionen privaten Haushalte in Deutschland sind unmittelbare Beiträge zur Zukunftssicherung!
Denn: Man kann nicht nicht haushalten!

 

Kinder im Lockdown

"Home-Office und gleichzeitig Kinder zu betreuen, hat noch nie funktioniert. … Überlastung und Konflikte sind dort vorprogrammiert, wo Betreuung neu geplant werden muss (und zwar ohne die Großeltern), Eltern plötzlich die Funktion der Schule übernehmen sollen und so ganz nebenbei noch der Haushalt zu stemmen ist. Beschränkungen der Sozialkontakte und der Mobilität bringen Stress und Spannungen im Zusammenleben, vor allem in Familien." [Frey, Regina (2020): Corona und Gender – ein geschlechtsbezogener Blick auf die Pandemie und ihre (möglichen) Folgen.]

In einer aktuellen Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) mit über 8000 befragten Familien mit Kindern zwischen 3 und 15 Jahren berichten mehr als ein Drittel der Eltern über Schwierigkeiten ihrer Kinder mit der Situation zurecht zu kommen. Besonders betroffen durch Belastungsstörungen sind Familien in angespannter finanzieller Situation und in engen Wohnverhältnissen; der Zugang zu Garten oder Freiflächen dagegen wirkt sich günstig auf die Kinder aus.

Die Mehrzahl der Familien erlebt das vermehrte Zusammensein positiv und bewertet die gemeinsam verbrachten Zeiten und Aktivitäten als Gewinn. Bei etwa jeder 5. Familie mit mehreren Kindern kommt es häufiger zu chaotischen Situationen und Konflikten. Dabei spielen die fehlenden Kontakte zu Gleichaltrigen eine Rolle, aber auch die zu gering bewertete Unterstützung durch die pädagogischen Fachkräfte in Schule und Kinderbetreuung führen vor allem bei der häuslichen Bearbeitung von Lerninhalten und Aufgaben zu Problemen.

Die Mediennutzung der Kinder ist deutlich angestiegen und kann durch Bewegung und Außenaktivitäten vor allem bei Familien, die in städtischen Mehrfamilienhäusern leben, nicht ausgeglichen werden.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen einerseits eine große Fähigkeit der meisten Familien, die Lebensumstände der Krisensituation für ihre Kinder möglichst günstig zu gestalten, andererseits wird auch deutlich, dass gerade für die bereits vor "Corona" benachteiligten Bevölkerungsgruppen – mit geringerem Einkommen oder alleinerziehend – die Belastungen noch gravierender geworden sind. Besonders schwer wiegt genau für diese Kinder der Wegfall der Betreuungsangebote und Sozialkontakte außerhalb der Familie, zumal auch die Großeltern nur eingeschränkt einbezogen werden konnten.

Was ist zu tun?

  • Nicht nur Wirtschaftsbetriebe brauchen Förderung, auch Kinder und Familien müssen unterstützt werden, damit sie mit den Folgen der Einschränkungen durch Covid19 zurechtkommen können.
  • Die Grundsicherung für Kinder muss deutlich aufgestockt werden, damit eine gesunde Ernährung mit frischen und vollwertigen Lebensmitteln möglich ist.
  • Auch der Zugang zu Sport und Bildungsangeboten muss gesichert sein.
  • Unterstützungsstrukturen für Haushalte mit Kindern in prekären Lebenslagen müssen auch hauswirtschaftliche Beratung und Anleitung einbeziehen. Damit machen die skandinavischen Länder seit langem sehr positive Erfahrungen.
  • Die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen brauchen Mittel und Personal zur gezielten Förderung von Kindern, bei denen die Schul-schließungen zu geringem Lernfortschritt oder Lücken geführt haben. Auch hauswirtschaftliches Handeln, insbesondere gemeinsames Kochen, Backen und Essen, fördert Kompetenzen und Wohlbefinden!


Beitrag von Elvira Werner
Stellvertretende Präsidentin und Beauftragte für die hauswirtschaftliche Berufsbildung im DHB – Netzwerk Haushalt e. V.

In der Corona-Krise: Wir (Frauen) helfen zusammen!

Frauen aus unterschiedlichsten Berufen berichten, was sie bewegt, was sie umtreibt und was ihnen wichtig ist.

Zur StMAS-Webseite

Bayerischer Landesfrauenrat beim Wertebündnis Bayern

Wir sind dabei! Der BayLFR ist Partner des Wertebündnis Bayern.

Homepage Wertebündnis

Folgen Sie dem BayLFR auf Twitter!
Besuchen Sie uns bei Facebook
Gegen Frauenfeindlichkeit, Diskriminierung und Sexismus in Werbung und Medien

Kartenaktion zum 100. Internationalen Weltfrauentag

Karte mit Beschwerde-Adressen

Pinkstinks Deutschland

Pinkstinks ist eine junge Protestorganisation, die gegen Produkte, Werbe- und Medieninhalte agiert, die Kindern eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Die „Pinkifizierung“ trifft Mädchen und Jungen gleichermaßen – Pinkstinks wirkt diesem Trend entgegen. Mit Theaterarbeit an Schulen, Vorträgen, Kampagnen gegen Germany’s next Topmodel und sexistischer Werbung sowie durch Gespräche mit der Politik.

Pinkstinks

Deutscher Frauenrat

Als Dachorganisation frauen­poli­tisch­er Inter­es­sen sieht sich der DF in der Tra­di­tion des 1894 ge­grün­det­en »Bundes Deutsch­er Frau­en­ver­eine« (BDF).

frauenrat.de