Die Arbeit unserer Mitglieder in Zeiten von Corona: Die Arbeiterwohlfahrt Landesverband Bayern - Frauenhäuser und Fachberatungsstellen gegen sexualisierte und häusliche Gewalt im Blick

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Die Beiträge werden von unseren Mitgliedern verfasst und inhaltlich verantwortet.

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Das öffentliche Leben war in den vergangenen Monaten nahezu auf ein Minimum heruntergefahren. Was für die Gesundheit der Bevölkerung richtig ist, ist für von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und ihre mitbetroffenen Kinder eine besonders aussichtslos erscheinende Situation. Eine erste Studie der Technischen Universität München[1] stellte fest, dass in Deutschland während der Zeit der strengen Kontakt-beschränkungen etwa 3 Prozent der Frauen zwischen 18 und 65 Jahren Opfer von häuslicher Gewalt wurden.

Dies entspräche mit ca. 775.000 Frauen ungefähr der Einwohner*innenzahl der Stadt Frankfurt a. Main 3,6 Prozent der Frauen wurden von ihrem Partner vergewaltigt und in 6,5 Prozent aller Haushalte wurden Kinder gewalttätig bestraft.

Zudem hat sich gezeigt, dass in Quarantäne- oder anderen besonders belastenden Situationen Frauen deutlich häufiger Opfer körperliche Gewalt werden (bis zu 9,7 Prozent).
 

Frauenhäuser und Fachberatungsstellen stehen betroffenen Frauen uneingeschränkt zur Verfügung

Obwohl Frauenhäuser und Fachberatungsstellen gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in dieser schwierigen Zeit weiterhin wie gewohnt erreichbar sind, haben gewaltbetroffene Frauen wenig bis keine Möglichkeit, persönlich Kontakt zu den Einrichtungen und Diensten aufzunehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Kooperationspartner, wie bspw. Kindertageseinrichtungen oder sozialpädagogischer Familienhilfen, die im Normalfall Anfragen ins Hilfesystem vermitteln, in dieser Zeit nur eingeschränkt verfügbar sind. Durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit (bspw. Aushänge in Supermärkten) machen Dienste und Einrichtungen darauf aufmerksam, dass sie erreichbar sind und uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Die Herausforderungen der letzten Wochen haben jedoch auch deutlich gemacht, dass eine Erweiterung des Beratungsangebots hin zu einer Online-Beratung nötig ist, um die Erreichbarkeit zu erleichtern. Erfreulich ist, dass die Freie Wohlfahrtspflege Landesarbeitsgemeinschaft Bayern, hierzu bereits ein Tool entwickelt, welches zukünftig genutzt werden kann.
 

Ausweichmöglichkeiten und Platzausbau

Die letzten Monate haben einmal mehr gezeigt, dass der Aus- und Umbau von Frauenhausplätzen in Bayern dringend notwendig ist. Da die bayerischen Frauenhäuser nach wie vor fast voll belegt sind, wurden, je nach den Gegebenheiten vor Ort, für einen möglichen Infektionsfall oder den Fall, dass Anfragen zunehmen, in Zusammenarbeit mit den Kommunen vorübergehend ergänzende Ausweichmöglichkeiten geschaffen. Diese können aber in keinem Fall den dringend notwendigen Platzausbau ersetzen. Dieser wird derzeit durch eine Förderung im Rahmen des Bundesinvestitionsprogramms „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen (befristet bis 2023) und des bayerischen Förderprogramms zum Platzaus- und -umbau (befristet bis 2024) finanziell unterstützt. Hiermit sollen in den nächsten 3,5 Jahren bayernweit 35 Prozent mehr Plätze geschaffen werden. Da damit noch lange nicht die von der Istanbulkonvention geforderte Vorgabe von einem „Family Place“, also einem (Familien-)Zimmer, pro 10.000 Einwohner*innen (Gesamtbevölkerung) erreicht ist, ist eine Verlängerung der Förderprogramme oder alternativ eine andere Finanzierung des Platzausbaus dringend notwendig.

Stefanie Fraaß
AWO Landesverband Bayern e. V.

 

[1] Steinert, Janina; Ebert, Cara (2020): Häusliche Gewalt während der Corona-Pandemie. Erste große Studie zu Erfahrungen von Frauen und Kindern in Deutschland. Online verfügbar https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/36053/

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