Die Arbeit unserer Mitglieder in Zeiten von Corona: Beitrag von Eva Lettenbauer, MdL, für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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Das öffentliche Leben ist nahezu auf ein Minimum heruntergefahren. Was für die Gesundheit der Bevölkerung richtig ist, trifft die zahlreichen Vereine besonders hart, denn sie tragen mit ihren vielfältigen Angeboten maßgeblich zum öffentlichen Leben bei. Vor welchen Herausforderung stehen Sie und wie bewältigen Sie diese?

Die Corona-Pandemie hat bei den Abgeordneten des Bayerischen Landtags, wie auch bei vielen Verbänden, zu einer kompletten Veränderung des Arbeitsalltags geführt. Von heute auf morgen mussten Termine und Veranstaltungen abgesagt werden. Der Kontakt zu den Bürger*innen sowie zu den Verbänden war auf einmal stark abgewandelt. Der Arbeitsalltag verlegte sich an den Schreibtisch und in die digitale Welt des Internets. Dies galt für mich selbst genauso wie für meine Mitarbeiter*innen. Telefonkonferenzen, Online-Meetings und noch regerer E-Mailverkehr als sonst bestimmen seitdem den Alltag. Sitzungen im Landtag finden mit einer reduzierten Anzahl an Abgeordneten und Videozuschaltung statt. Bürgersprechstunden finden telefonisch oder online statt und Veranstaltungen werden im Internet als Webinare abgehalten. Die Online-Meetings reihen sich inzwischen nahtlos aneinander, viele Termine können einfacher geplant werden, wenngleich der Kontakt leider unpersönlicher wurde.

Bei vielen inhaltlichen und gesellschaftlichen Problemen wirkt die Pandemie wie ein Brennglas: Geringfügig Beschäftigte, ein Großteil darunter Frauen, verloren ihren Job und hatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld I. Außerdem arbeiten gerade Frauen in Berufen, die zurecht endlich als systemrelevant erkannt werden; viele davon allerdings schlecht bezahlt in den Bereichen wie etwa der Pflege oder der Kinderbetreuung. Besonders Frauen mussten jedoch auch zu Hause bleiben, um Kinder zu betreuen, die nicht in die Kita oder die Schule konnten. Die Pandemie hat hier die „klassische“ Rollenverteilung wieder verstärkt und Frauen übernehmen noch mehr unbezahlte Sorgearbeit. Mit politischen Initiativen wirke ich diesen Entwicklungen entgegen.

 

Corona stellt Sie vor enorme Herausforderungen. Sie müssen die Krise nicht nur mit den klassischen Instrumentarien managen. Vor allem aber gilt es jetzt schon, sich auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten. Jede Krise ist auch eine Chance um aus Fehlern zu lernen, sich weiterzuentwickeln und als Gesellschaft besser für den nächsten Ernstfall vorbereitet zu sein. Was kann verbessert werden – und wie?

Die Corona-Pandemie führt, wie angesprochen besonders eindrücklich vor Augen, dass es in unserer Gesellschaft trotz der Fortschritte der vergangenen Jahre immer noch strukturelle Benachteiligungen gibt. Diese Chance auf Veränderungen müssen wir gemeinsam nutzen. Frauen verdienen mehr als nur ein Dankeschön für die Arbeit, die sie während der Krise geleistet haben. Gleichberechtigung muss jetzt umgesetzt werden. Dies muss in allen Bereichen des öffentlichen Lebens geschehen.

Das beginnt bei der Bezahlung. Die Arbeit in Care-Berufen muss besser und tariflich bezahlt werden und generell gleiche Arbeit endlich gleich vergütet werden. Besonders in sozialen und gesundheitlichen Berufen brauchen wir deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Auch Minijobs müssen endlich in sozialversicherungspflichtige Arbeit umgewandelt werden. Davon profitieren vor allem Frauen, denn 61 Prozent der Frauen in Minijobs haben nur dieses eine Arbeitsverhältnis. Außerdem müssen wir endlich die Gefahren der Pandemie für Frauen ernst nehmen, die mit ihren gewalttätigen Partnern in den eigenen vier Wänden festsitzen. Eine Studie zur Lage in München hat kürzlich auch mit Zahlen untermauert, dass die Gewalt an Frauen und an Kindern während des Lockdowns zugenommen hat. Die Tatsache, dass Frauen sich aktuell oft nicht bei den Fachberatungsstellen melden können, darf nicht zu dem Fehlschluss verleiten, es gäbe keine Fälle. Klar ist: Fachberatungsstellen dürfen im Zuge der Krise keine Mittelkürzungen erfahren und benötigen dringend ausreichend Schutzausrüstung. Ich setze mich für weitere, niedrigschwellige Angebote für Frauen zur Beratung und Kontaktaufnahme, beispielsweise bei Supermärkten, und die Übernahme aller Kosten für Notfallkapazitäten in den Frauenhäusern ein. Im Landtag beantrage ich außerdem eine Studie zur Gleichstellung und Chancengerechtigkeit von Frauen während der Corona-Pandemie und ein Monitoring der Folgen der Corona-Schutzmaßnahmen auf Frauen.

Ich bin überzeugt: Besonders erfolgreich im Umsetzen dieser und vieler weiterer wichtigen Veränderungen sind wir, wenn endlich mehr Frauen in Parlamenten arbeiten. Daher bleibt auch jetzt der Einsatz für ein Hälfte-der-Macht-Gesetz äußerst wichtig.

Bürger*innen und Politik haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, kraftvoll und verantwortungsbewusst in der Krise zu handeln. Das muss auch in Zukunft für die Krisen, wie die Klimakrise, gelten. Nur so haben wir die Chance, für zukünftige Generationen eine bessere Welt zu hinterlassen.

Eva Lettenbauer, MdL
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

In der Corona-Krise: Wir (Frauen) helfen zusammen!

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