Der Verband „erfolgsfaktor FRAU e. V.“ ist neues Mitglied des Bayerischen Landesfrauenrates.

Die Aufnahme des Verbands „erfolgsfaktor FRAU e. V.“ hat die Vollversammlung am 14. März 2019 einstimmig beschlossen.

Wir freuen uns auf eine gelingende und fruchtbare Zusammenarbeit, denn Fachfrauen sind uns immer willkommen!

Hintergrund: erfolgsfaktor FRAU e.V. (efF) setzt sich für mehr Frauen in Fach- und Führungspositionen ein und gibt Impulse in Gesellschaft und Wirtschaft zur Auflösung geschlechterstereotyper Denkweisen, die Frauen und Männer bei der gleichberechtigten Teilhabe in Beruf, Familie und Gesellschaft einschränken. Er ist zudem ein Netzwerk von Gleichgesinnten, die sich in verschiedenen Projekten für diese Ziele engagieren und auf Veranstaltungen austauschen.

Der Verein entstand aus dem Engagement für die ‚Nürnberger Resolution’, die im Oktober 2008 von Fach- und Führungskräften aus der Metropolregion Nürnberg initiiert wurde. Viele Einzelpersonen und Organisationen unterzeichneten sie und so konnte sie damals erheblichen politischen Druck entfalten. Im Jahr 2015 trat das in der Resolution geforderte Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (Quotengesetz) in Kraft.

Unter dem Motto #FRAUENwollenMEHR hat der Verein 2018 eine neue Kampagne gestartet, denn die vielfach von Unternehmen gewählte Zielgröße von „Null Prozent“ Frauen in ihren obersten Managementebenen wird nicht wortlos hingenommen.

Infos zu den Aktivitäten des Vereins erhalten Sie unter: http://erfolgsfaktor-frau.de/.

190314 Vorstellung Claudia Specht Bei Vv

 Die Vorsitzende Claudia Specht stellt den Verband vor.

100 Jahre Frauenwahlrecht und die politische Partizipation von Frauen heute

Anlässlich des Internationalen Frauentags lud die Gleichstellungsstelle der Stadt Ingolstadt  am 13. März 2019 zum 4. Ingolstädter Frauenpfad unter dem Motto „100 Jahre Frauenwahlrecht“ ein.

190313 Gruppenfoto Ingolstadt

(Foto: Stadt Ingolstadt/Ulli Rössle)

In ihrem Vortrag hat sich Hildegund Rüger, Präsidentin des BayLFR, zu der Problematik „die politische Partizipation der Frauen heute“ geäußert.

190313 Vortrag Hildegund Rüger

Präsidentin Hildegund Rüger

190313 Barbara Deimel _dr. Lösel _hildegundrüger

Barbara Deimel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ingolstadt,

Dr. Christian Lösel, Oberbürgermeister
der Stadt Ingolstadt


Hier die wichtigsten Passagen des Vortrags:

„Vor über 100 Jahren haben sich Frauen organisiert und sie haben das Frauenwahlrecht erstritten. Einem jahrzehntelangen harten Kampf waren viele mutige Frauen ausgesetzt.
Das Ausmaß dieses Kampfes ist für uns Frauen von heute unvorstellbar.

Wussten Sie, dass sich 1912 die Antifeministen im Deutschen Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation gründeten? Der Frauenanteil in diesem Verein lag bei erstaunlichen 25 Prozent.
Übermäßige Gehirntätigkeit mache das "Weib nicht nur verkehrt, sondern auch krank", schrieb damals der Neurologe Paul Julius Möbius in seinem Traktat mit dem Titel "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes" – ein Bestseller der Vorkriegszeit.
Das Frauenwahlrecht käme einem "nationalen Selbstmord" gleich, sagte Werner Heinemann im Jahr 1913 voraus.

Am 12. November 1918 hatte der Rat der Volksbeauftragten dann das Frauenwahlrecht verkündet. Zwei Monate später fanden am 19. Januar 1919 die Wahlen zur erfassungs-gebenden Nationalversammlung statt. Eine Revolution: Nach Finnland, Norwegen, Dänemark und Island durften endlich auch die deutschen Frauen an die Urne. Gut 82 Prozent der Frauen gingen wählen. Knapp neun Prozent der Abgeordneten im ersten demokratischen Parlament waren weiblich – dieser Anteil sollte über 60 Jahre später erst überschritten werden, als die Grünen in den Deutschen Bundestag einzogen.

Soll Politik nicht eine männliche Domäne bleiben, dann stellt eine konsequente Politik der Geschlechtergleichheit nunmehr die wichtigste Aufgabe dar. Insbesondere die Parteien sind aufgefordert, Frauen nicht nur in Wahlkampfzeiten als relevante Zielgruppe zu umwerben, sondern ihren Lebenslagen und Interessen in der politischen Praxis permanent Rechnung zu tragen. Darüber hinaus kann Gleichberechtigung nur gelingen, wenn die Politik auch Männer kritisch in den Blick nimmt und einen Wandel des männlichen Rollenverständnisses propagiert.

Wie die Studie der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) zur Kommunalpolitik und andere wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt hat, sind die Parteien sehr zögerlich, Kandidatinnen für begehrte politische Positionen aufzustellen.
Die Direktmandate gehen überwiegend an Männer. Die Parteien verlauten immer wieder: Frauen, die sich politisch engagieren, sind rar! Da kann ich nur folgenden Appell an die Parteien richten: Tun Sie was dagegen, denn es gibt Gründe dafür!

Ellen Ammann schrieb 1929, zehn Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts: "Das war ein erfreulicher Anfang“. Allerdings gab sie auch zu bedenken: "Eines ist nicht gelungen, und das ist, genügend Vertreterinnen in die Organisationen der Parteien und in die politischen Körperschaften hineinzubringen." Dies gilt 90 Jahre später leider immer noch. Die Ursachen dafür sind vielschichtig, genauso wie die Herausforderungen:
In vielen Ortsverbänden stehen Männer an der Spitze. Das bedeutet nicht, dass es keine weiblichen Mitglieder gibt. Es braucht sehr viel Zeit und Engagement, damit die Politik ihr weibliches Antlitz, das oftmals noch etwas verborgen ist, zeigt.
Damit stelle ich die Behauptung auf, dass Frauen viel mehr Zeit und ein größeres Engagement investieren müssen, um die Spitzenpositionen in der Politik zu erreichen. Der extrem hohe Zeitaufwand eines politischen Amtes (in der Regel mehr als 60 Stunden pro Woche) ist ein Problem für die Vereinbarkeit von Familie und politischer Berufung. Und das Problem „Vereinbarkeit“ ist immer noch ein typisches Frauenproblem! Machen wir uns hier mal gar nichts vor!

Diese ungleiche Lebenssituation von Männern und Frauen, die wiederum auf traditionellen Rollenvorstellungen beruht, ist auch der Grund dafür, dass die Quotenregelungen der Parteien nur eine begrenzte Wirksamkeit entfalten werden, denn sie verändern zwar parteiinterne Nominierungsmuster zugunsten von Frauen, nicht aber die geschlechts-spezifische Arbeitsteilung in der Gesellschaft.

Wenn den Parteien das dauerhafte Engagement von Frauen in der Politik am Herzen liegt, müssen sie erreichen, dass Frauen auch die Bedingungen vorfinden, die sie benötigen.
Kommunalpolitik, die Keimzelle jeder politischen Karriere, muss nicht abends in den Gasthöfen gemacht werden! Sie kann auch am späten Nachmittag mit dem Angebot einer qualifizierten Kinderbetreuung stattfinden!

Aber auch Frauen haben meines Erachtens „Hausaufgaben“ zu machen. Sie müssen lernen, mit Mut und Selbstbewusstsein einen Teil der Verantwortung für die Familie abzugeben und sich damit Freiräume für politische Ämter zu schaffen. Wir brauchen aber dafür dringend nicht nur die Toleranz, sondern die Akzeptanz der Arbeitgeber für Väter/Männer in Elternzeit oder Teilzeit.
Ein weiterer Appell an alle Parteien kann daher nur lauten: „Verankern Sie konkrete Maßnahmen zur Frauenförderung in Ihren Parteisatzungen und machen Sie Ihre Partei für Frauen attraktiv.“ Die paritätische Wählbarkeit von Frauen ist die Voraussetzung für die gerechte Vertretung und Durchsetzung der politischen Belange und Interessen der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land, denn Repräsentanz verleiht Stimme.

Seit 2011 gibt eine jährlich aktualisierte Studie des Europäischen Parlaments einen Überblick über die verschiedenen gesetzlichen und freiwilligen Quotenregelungen für Frauen in den Staaten der Europäischen Union. Diese Studie zeigt auch auf, wie sich die Besetzungen der Parlamente hierdurch verändern. Von den 28 EU-Staaten haben acht eine gesetzliche Quotenregelung. Hierbei handelt es sich meist um in Wahlgesetzen fest gehaltene Bestimmungen für die Aufstellung der Wahllisten. In manchen Fällen gibt es sogar eine gesetzlich festgelegte Regelung für Spitzenplätze und entsprechende Sanktionen für eingereichte Kandidatenlisten, die nicht den paritätischen Bestimmungen entsprechen.

Das älteste Paritäts-Gesetz in Europa hat Frankreich. Frankreich änderte für sein „Loi sur la parité“ (Paritätsgesetz) im Jahr 1999 die Verfassung. Dort steht nun: "Das Gesetz fördert den gleichen Zugang von Frauen und Männern zu den Wahlmandaten und auf einer Wahl beruhenden Ämtern." Bei den Kommunalwahlen 2001 fand das französische Paritätsgesetz erstmals Anwendung und zeigt seitdem seine Wirkung. Der Anteil der Frauen im französischen Parlament beträgt 39 Prozent.

Es geht aber auch ohne eine gesetzliche Paritäts-Regelung! Schweden macht uns das vor. In Schweden gibt es keine gesetzlich festgelegte Quote. Drei Parteien verfügen jedoch über eine lange Tradition freiwilliger parteiinterner  Regelungen: Die Sozialdemokraten und die Linke Partei haben sie seit 1978, die Grünen seit 1981. Alle drei Parteien besetzen jeweils die Hälfte aller Listenplätze mit Frauen und Männern. Zudem ist Frauenförderung in Schwe-den ein wichtiger Teil der politischen Arbeit und läuft nicht unter „ferner liefen“ wie bei uns.

Dabei hat man sowohl die Repräsentanz von Frauen in den Parteien, also die weiblichen Parteimitglieder, als auch die Besetzung von politischen Ämtern mit Frauen seit Jahren fest im Blick. Gibt es ein „Ungleichgewicht“, so wird gegengesteuert! Die Unterrepräsentanz von Frauen wird nicht stillschweigend hingenommen. Die meisten Parteien fördern weibliche Mitglieder aktiv oder haben freiwillige interne Quoten umgesetzt.
Momentan ist die Hälfte der Ministerposten mit Frauen besetzt und 43 Prozent der Parlamentsabgeordneten sind weiblich.
Und vor allem ist das sogenannte Gender Mainstreaming – die Umsetzung von politischen Strategien, welche die Gleichstellung der Geschlechter zum Ziel haben – ein fester Bestandteil der schwedischen Politik und steht nicht nur auf dem Papier!

Rita Süssmuth hat es treffend formuliert: „Wer keine Frauenquote will, muss die Frauen wollen!“
Dies, meine Damen und Herren, ist mein wichtigster Appell an die Parteien in Bayern.

Die Erfahrungen aus Frankreich und Schweden sollten wir bei der Gestaltung einer guten Regelung zum tatsächlichen Abbau der Unterrepräsentanz von Frauen in Parlamenten beachten. Nun gilt es, effektive Regelungen zur Erreichung der gleichen Repräsentanz auch in unserem Bayerischen Parlament und in allen politischen Ämtern zu finden, denn die Problematik der Unterrepräsentanz müssen wir endlich angehen!“

 

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